Stefanie Krüger

Texte

Sehgänge

Clemens Ottnad, 2009

Immer wieder Wasser, ihr Schimmern, Glänzen, Durchsichtigsein. Die Orte sind vertraut: See, Schwimmbad, Teich, Bassin. Stefanie Krüger erforscht in ihren Arbeiten vielfach Gewässeroberflächen, mal inmitten der Ursprünglichkeit der Naturlandschaft, mal im urbanen Umfeld von Stadtarchitekturen, als Dünung sacht bewegte, oder aber reglos spiegelnde. Dabei bannt sie die Flüchtigkeit momentaner Seherfahrungen in langwierigen, Schicht um Schicht anlagernden Malprozessen, sodass sich spätestens in unmittelbarer Nahsicht vermeintlich so Leichtes, Durchscheinendes verfestigt in sukzessiv aufgebaute Malmaterie, die offensichtlich einen verdichteten Farbenschmelz ausbildet, der glauben zu machen vermag, allerorten hydrogene Territorien seien vielleicht auch in der Wirklichkeit schadlos – trocken und ohne gemeinhin drohenden Untergang – zu beschreiten.

weiterlesen

Eben noch befangen in der Anmaßung, solcherart übers Wasser gehen zu wollen, findet sich allerdings der Betrachter der Gemälde nicht nur mit der Untiefe multipler Farbschichten sowie der Leinwand selbst konfrontiert, sondern stürzt schon in größerer Entfernung von den Bildwerken kopfüber in gefahrvolle Untiefen der aufgesuchten Vorstellungswelten. Mit ebendiesen unentrinnbar konfrontiert, nimmt er zunächst bereitwillig an, die Spielstätten bereits zu kennen, in die jäh hineinversetzt er sich auf einer Schaubühne des Alltäglichen wiederfindet; ohne Handlungsanweisungen ratlos, muss er sich aber vor menschenleerer Kulisse nach Mitakteuren umsehen, denen er hier – im Park, im Bad, am Hafen – zu begegnen doch stets gewohnt war: Sie fehlen. Am ortlosen Ort sind sie abwesend (mit anderen anderswo), die Zeit angehalten, also Unzeit, der stillgelegte Zeitpfeil markiert ein just Vergangenes und das im nächsten Augenblick erst noch Geschehende gleichermaßen.

Standpunktbestimmung: Schwimmbeckenlackblau hell draußen, den Großteil des Bildgrundes vereinnahmend, in zwielichte Tageszeiten (zu früh, zu spät ?) getaucht, zum Darstellungsrand unten das Reservoir mit der leicht wellend gemalten Oberfläche ausgebreitet, nach hinten sich dasselbe verjüngend, dem Bildgegenüber in breiter Front schier entgegenfließend, an der Stirnseite die reptil gewundene Kinderrutsche in Tiergestalt, das lichtere Blau gerahmt, und dieses umfangen von der hellgrün weich bewachsenen Wiesenfläche, dunkleres Waldgrün dagegen, eine undurchdringlich oft abschirmende Wand aus Vegetation: Stereotypen alltäglicher Wirklichkeitserfahrungen und merkwürdig stille Mysterien zugleich.

Indem nämlich Naturphänomene, Lichtsituationen, Baukörper, Oberflächen und Strukturen in präzisester Malweise so eindringlich und detailliert geschildert die Stofflichkeit des Gezeigten wiedergeben, empfindet der Betrachter ein irgend geheimes Unbehagen ausgerechnet an dem in der Darstellung Abwesenden und doch gleichzeitig bereits selbst schon unwillkürlich Mitgedachten. Erinnerungen, Ahnen und Vermuten, Empfindensanalogien von Künstlerin und den diese Arbeiten Betrachtenden überschneiden sich. Denn über individuell je verschiedene biografische Erfahrungshintergründe und Sinnenkategorien hinweg rührt allein schon der gewählte Farbton des Schwimmbeckens an seit Kinderzeiten eingeprägte Vorfreuden etwa auf schul- und arbeitsfreie Freibadtage, die endlos langen Sommerferien, das selbst- und zeitvergessene (Aus)Gelassensein.

Dieses Fernbleiben und die Abwesenheiten in namenlosen Niemandslanden, die von menschlichen Figuren so verlassenen Orte, (ver)führen hier allerdings unversehens in viel umfassendere malerische Synästhesieapparate weiter. Schon verströmt da selbstsinnig die gesetzte Ölfarbe sinnenübergreifend den badeanstaltstypischen Chlorgeruch, brennen die heißen Steinplatten und Kacheln an nackten Fußsohlen, bevor ganz vorsichtig von aluminischen Leitertritten und Handläufen aus Zehenspitzen die Temperatur des Wasserbeckens zu bemessen versuchen, oder aber ganz Waghalsige sich – wie gewohnt an diesen Orten verbotenerweise – übermütig Kopf voran ins kühlende Nass zu stürzen anschicken, überall Spritzer, Tropfen, Lachen, bizarre Rinnsale hinterlassend, die als sich verselbständigende Malwerke gerinnen zu amorphen Fleckenbildungen und eigenwilliger Ornamentik.

Die Schilderungen von Stefanie Krüger bleiben zwar dauerhaft entvölkert, Bildgrund und Malmittel – dem Ausdrucksmedium ja entsprechend – auch immer noch vollständig stumm, mithin ist allerdings sehr wohl ein Glucksen und Gurgeln an den Überläufen mitgehört, das Platschen, Prusten, Schnauben, Kinderschreien, und alles übergehend in ein Grundrauschen – Bildrauschen auch – einer allerorten, jederzeit und zugleich doch individuell erfahrbaren Alltagswirklichkeit.

Angesichts des mit den Mitteln jener Malerei festgelegten Stillstandes, des wie eingefroren wirkenden Augenblicks erstaunt aber umso mehr, dass inmitten dieser Ort- und Zeitlosigkeit nachgerade stereotype Handlungsabläufe situativer Alltagsstandards evoziert werden. Mit dem bloßen Abbild nämlich des Schauplatzes – hier des öffentlichen Bades – stellen sich ebenso offiziell verordnete wie über Lebenszeit allmählich angeeignete Grundmuster menschlicher Verhaltensweisen, Regeln und Rituale ein, die mehr oder weniger allgemein verbindlich oder jeweils persönlich ausgeprägt erscheinen: entkleiden, umziehen, Kleidungsstücke zusammenlegen, duschen, Haare waschen, Augenbrennen, abtrocknen, desinfizieren, barfuss gehen (und sich dabei nicht an scharfen Kanten schneiden oder schmerzhaft anstoßen), kraulen, untertauchen, auf dem Rücken schwimmen, anderen Schwimmern ausweichen, Mitschwimmern genügend Raum lassen, mit den Armen rudern, Kreise ziehen, gleichmäßig atmen, am Bahnende wieder wenden, hinaus schwimmen zur Seemitte, der Kopf zu einem schwarzen Punkt verschwindend, die triefenden Gesichter, Haare, Badehauben, die Person schier unkenntlich gemacht – und zurück, an Land, mit festem Boden unter den Füßen die selben schematisch einstudierten Abläufe in umgekehrter Reihenfolge wieder zurückzuspulen, gleich Wiederholungen von filmischen Sequenzen.

Besonders das Element Wasser, die Momente des Fließens und Zerfließens allgemein beherrschen motivisch die aktuellen Arbeiten von Stefanie Krüger. Im Gegensatz zu natürlichen oder wenigstens naturnahen See- und Meereslandschaften handelt es sich vorzugsweise allerdings um von Menschenhand angelegte Architekturen, wie Hafenanlagen, Schwimmbäder oder städtebauliche Park- und Platzgestaltungen (das Sujet derTankstelle noch Umschlagplatz von Flüssigkeiten).

Gleichwohl tauchen in vielen der Darstellungen menschliche Figuren nur eben so am Rande auf, scheinen eher die Proportionen der gezeigten Areale veranschaulichen zu wollen oder als zusätzliche Bewegungsmotive zu dienen. Und als ob sich selbst diese noch widersetzen wollten, die Bildkomposition als belebte zu kennzeichnen, fügt sie die Künstlerin oft genug als Schlafende, Ruhende und Liegende – beispielsweise in den Parkansichten – ein. Spaziergänger sind es bestenfalls, die sich – dem Auftrag ihres flüchtigen Passantentums bewusst und damit in Analogien zum temporären Betrachter auch des Dargestellten – umgehend anzuschicken wissen, das Bildgelände schleunigst auch wieder zu verlassen. Gegenüber den preziös schillernden Wellenformen und augenschimmernd vibrierenden Unschärfen der Wasserspiegelungen jedenfalls erscheinen sie – mindestens im Vergleich zur übrigen Oberflächenbehandlung der Malerin von Natur- und Dingwelt – als wenig ausdifferenzierte, fast farblos anonymisierte Unpersonen eines zwangsläufigen Vorübergehenmüssens.

Essentiell bleiben somit Naturerscheinungen und Gegenstandswelt zurück, die unabhängig von einzelner Individuität und eigenem Tun – und über dieselben auch hinaus und fortdauernd – eine vom Menschen abgelöste, selbständige Existenz für sich zu behaupten wissen. Indem die Bilderfinderin die eigene Persönlichkeit und ein irgendwie Privates der wiedergegebenen Orte, Lebensräume und Figuren fast gänzlich zurückdrängt, scheint sie den dieselben Betrachtenden im gleichen Maße den Zutritt zu einer freilich nur bedingt wirtlichen Bildwelt verschaffen zu wollen. Das je Andere – persönliches Wesen und Biografie der Rezipienten etwa – wäre in deren farbgeflutetem Horror Vacui (gemeinsam mit dem skeptischen Beargwöhnen von Realien von Seiten der Künstlerin) in Frage gestellt. Notgedrungen beschliche auch sie gewiss die Vorahnung, von den so gezeigten Umgebungsräumen – von dickichten Unter- und Hintergründen, von den Dingen, vom schon genannten allumfassenden (Über)Fließen – aufgesogen und in diesem Unwirklich-Wirklichen vollständig verschwinden gemacht zu werden. Vertraulichkeiten sind da dem dieserart allenthalben so vertraut Erscheinenden alltäglich erfahrbarer Realität und der vorderhand realistischen bildnerischen Wiedergabe des Realen in jedem Falle fremd.

Gerade mit den Dämmerlichtsituationen und nächtlichen Szenen – Hafen mit Vollmond und den weiteren in diesem Zusammenhang entstandenen Nachtdarstellungen – entwickelt Stefanie Krüger die Konzentration auf Farbe und Licht bei gleichzeitiger Reduzierung überflüssigen Bildinventars weiter. Mondlicht, die Positionslampen der Anlegestelle, diffuses Scheinen natürlicher wie künstlich verursachter Lichthöfe, mäandernde Farbverläufe von Wellen und Wolken, schlierig einander auch widerspiegelnd, vermitteln schemenhafte Eindrücke des (mit Ortskenntnis allerdings erst versehen) geografisch konkret bezeichenbaren Ortes. Wiewohl die Hauptprotagonisten des Fährhafens – Schiffe und beförderungswillige Passagiere – gänzlich fehlen, ruft das menschenverlassene Tor in die Dunkelheit melancholierende Erinnerungen an vergangene wie zugleich auch Erwartungen an zukünftig anzubrechende Tage, fortwährende Überfahrten und Seitenwechsel hervor. Bar jeglichen narrativen Instrumentariums berichtet die Malerin hier dennoch ganz selbstverständlich und mit (im Wortsinn) ungeheurer Suggestionskraft vom – zugegebenermaßen vorübergehend unsichtbaren – Ankommen und Verlassen von Orten wie von Menschen, der Geschäftigkeit der Reisenden und Angestellten im aquaren Arbeitsalltag, von mechanischen Manövern und stetiger Mobilität, indem sie ausgerechnet deren somnambules Stillstehen beschreibt.

Wasser, Wolken und Gestirne, wie auch technische Leuchtvorrichtungen geraten da zum eigentlichen Anlass des Malens, zum bloßen Vorwand, Farbe, Licht, Räumlichkeit intensiv nachzuspüren und deren gegenseitige visuelle Einflussnahmen und Wechselwirkungen zu untersuchen. Blendete man bei einigen der Arbeiten von Stefanie Krüger nur einen geringfügigen Teil der Bildkomposition aus, beispielsweise die häufig hoch angesetzten Horizontpartien, bauliche Detailformen, das singuläre Personal, auch medial typisierte Naturchiffren und Pflanzenstrukturen, so blieben in sich dynamisierte, völlig gegenstandslose Farbareale zurück, die ausschließlich vermittels ihrer Leuchtkraft, den darin enthaltenen Lichtführungen und eingeschriebenen Bewegungspotenzialen wirkten.

Wenn schließlich öffentliche Orte in diesen Arbeiten der Öffentlichkeit offenkundig beraubt wirken müssen, vielleicht auf Zufallsfunde im Vorübergehen rekurrieren und diese sich konsequent einem privat Persönlichen zu entziehen bestrebt sind, so vergewissert sich die Künstlerin doch der Weltwirklichkeit im besonderen Maße über eine bemerkenswert ausgeprägte Wahrnehmungsgabe und deren nachfolgend brillianter Übertragung in Malerei. Noch in den vorgenannten Abwesenheiten spiegeln gerade die gleichsam kostbar schimmernden Oberflächen des Als-ob-beiläufig-Gesehenen   unsichtbare Augenblicksaufnahmen der Autorin (als Selbstbilder in absentia) wider, deren gegenwärtige Momenthaftigkeit in metaphysische Malzeit hinein gedehnt erscheint, von/m Anderen geklärt, sowohl individuelles Grundbedeuten als auch Gemeingültigkeit von Wahrnehmung und Empfinden erhalten. Das Erwarten sind bei Stefanie Krüger Great Expectations! zwischen Ahnungen des Wirklichen und einem anderen unbewussten Geheimen, das gegen Wirklichkeiten anscheinen kann.

Kunstpreis Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen

Auszug aus der Rede von Dr. Hans Albert Peters, 2002

Das mit dem dritten Preis bedachte Gemälde "Beine in der Badewanne" von Stefanie Krüger (geboren 1970 in Stuttgart, wo sie weiterhin nach dem Studium bei Moritz Baumgartl, Wolfgang Gäfgen und Peter Chevalier lebt und arbeitet) ist das witzigste Werk vielleicht der ganzen Ausstellung, besonders in seinen Bildmitteln, die verhindern, dass sich die Darstellung ins Karikaturistische verdünnt.

weiterlesen

Die banale Situation, die jeder von uns fast täglich erlebt, wird nicht mit dem malerischen Schmelz impressionistischer Pastelle - etwa von Edgar Degas -  zu einem Sinnenvergnügen sondergleichen oder durch den intimistischen Reiz ähnlicher Darstellungen von Bonnard und Vuillard oder durch sonst eine Art brillianter Malerei geadelt, weder durch die Bildmittel des Magischen Realismus etwa von Christian Schad hochgespannt und veredelt noch durch den Sozialkritischen Realismus eines Otto Dix verhäßlicht, sondern durch den eher flachen Farbauftrag, der Realistisches nur in den Grenzen fast plakathafter Reduktion begreift und fassen kann, fast ins Überirdische, Außerwirkliche gehoben. Denn der Badeschaum formiert sich zu einzelnen losgelösten Flecken oder zieht sich zu einem größeren zusammen. So denkt man insgesamt an  Wolkenbildungen in naiven Gemälden, an Landkartendarstellungen der Antarktis oder fühlt sich erinnert an die splashes von Francis Bacon, mit denen der englische Maler dem möglichen, nicht einmal realistischen Mißverständnis seiner Gemälde vorbeugen wollte.

Deutlich drängt die Ornamentalisierung des Bildes durch die Flächenbeziehungen, die der flache Farbvortrag akzentuiert, die Wirklichkeitswirkung von Beinen, Wasser und Badeschaum zugunsten einer höheren, durch die von der Realität abstrahierten Objektivität zurück. Dem Bild, das - ohne die Welt zu verrätseln - letztlich nicht Bestimmbares aufnimmt und damit auch vom Unbestimmbaren handelt, wächst eine Qualität des Enigmatischen zu, die eher symbolistische oder surrealistischer Malerei eignet.

Das Gemälde wird in dieser seiner Eigenart zu einem über die tatsächlich, tagtägliche, also wirklich banale Situation hinausgehobenen Objekt, das sich in der Wirklichkeit des Betrachters als Erlebnis, als Bild eigenen Rechts und als Kunstwerk bewährt und so wohl nicht nur die Juroren überzeugt. Nicht nur hier tue ich mir schwer mit der Einordnung. Auch der Symbolismus war wesentlich eine Haltung und versagte es sich nicht, neben manch anderen auch realistische Mittel zur Verwirklichung seiner Vorstellungen einzusetzen. Könnte man deshalb in Umkehrung bei dem Gemälde von Stefanie Krüger von Symbolistischem Realismus sprechen? Was schlagen Sie, meine Damen und Herren, vor?

Strand, Pool und Badewanne. Zu den Bildwelten von Stefanie Krüger

Wolfgang Heger, Stuttgart im April 2001

Da gibt es beklemmend magische Momente aber auch lyrische Verzauberung. Surreale Gedankenwelten stehen vielleicht am Anfang, aber die Entdeckung der Künstlichkeit, besser vielleicht der Fremdartigkeit der Welt liegt in der Wahrnehmung des Realen. Leise Verschiebungen der Alltagswahrnehmung reichen aus, ein Aushebeln der Bezugsregeln und Wahrnehmungs- bzw. Darstellungskonvention. Verweisen könnte  man in diesem Zusammenhang etwa auf die Collagen eines Max Ernst, der wie Stefanie Krüger vorgefundenes Material aus Illustrierten so montiert, dass die banalen Situationen durch die neuen Kontexte merkwürdige Bildwirkungen hervorbringen, eigenartige Gefühlsebenen anklingen lassen, die man wie zeitlich von weither zu kennen glaubt. Situationen, die in Ihrer Selbstverständlichkeit und Vertrautheit doch beinahe  schon wieder exotisch wirken, die plötzlich etwas von fremdartigen Ritualen haben, obwohl jeder solche Badeszenen en detail kennt.

weiterlesen

Statik, Erstarrung im Alltag, Augenblicke, in denen Zeit angehalten zu sein scheint, in denen Moment oder Ewigkeit eins ist, in denen An- oder Abwesenheit keine Rolle spielt, ein Moment des Dazwischen. Spielarten des Ichs, Inszenierung eben und Stefanie Krüger eröffnet sich immer wieder neue Stil Spielräume und erforscht die magische Präsenz der Bildgegenstände.

In die Realität der Bilder bricht die Phantastik ein, die Zeit wird aufgehoben im selbstgenügsamen Für sich-sein der Figuren.

Der Maler als Zauberer setzt die Welt zusammen aus Wahrheit und Lüge, der Maler als eine Art moderner Doktor Frankenstein, der aus heterogenem Material ein Lebewesen (oder vielleicht sich selbst?) zusammensetzt.
In den Bildwelten Stefanie Krügers sind immer wieder neue Bilder mit neuen Geheimnissen zu finden. Eine Art Tür, die zum Inneren aufgestoßen wird und so entstehen Bilder von einer immensen Vielfältigkeit: Körper-Bilder, Seelen-Bilder, Erinnnerungs- Bilder. Immer sind es Gefühlssignaturen, die Alltagswahrnehmungen und -Begrifflichkeiten aushebeln, eine neue Dimension hinzufügen, furiose Szenerien, die sich im Dickicht des Lebens oder in der Wüste des Seins abspielen. "Die Symbole des Selbst entstehen in der Tiefe des Körpers" schreibt C.G. Jung. Malen also verstanden als Auseinandersetzung, als Fixierung einer gesprengten Bedeutung, die herausfällt aus dem Vergessen durch die Zeit.

Stefanie Krüger | Malerei, Bilder, Arbeiten